Helena P. Hanrath : Als unsere Welt die Farbe verlor

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„Als unsere Welt die Farbe verlor“ lautet der Titel der Kurzgeschichte.
Ich konnte mir unter dem Titel nichts vorstellen.

Sie hören und sehen in den Medien auch ständig etwas von Flüchtlingen und Menschen, die ihnen helfen auf der einen Seite und Pegida, Ablehnung aller Ausländer, Rufe wie „wir sind das Volk“ auf der anderen Seite?

Ganz ehrlich, manchmal nerven mich diese Gegensätze, diese unvereinbaren Szenarien. Ja und nach Vorkommnissen wie in der Silvesternacht in Köln, graust es mich auch.

Der Autorin geht es genauso, ich habe bei ihr nachgefragt. Auch sie stören fremdenfeindliche Parolen, usw. Aber sie und ihre Familie haben auch Angst, darum schreibt sie unter einem Pseudonym.
Schlimm genug, dass man heute so weit gehen muss.

Die Kurzgeschichte rund um Emma Petters spielt in der Zukunft. Ob die Geschichte in 5, 10, 20 oder 30 Jahren passieren kann oder nie, vermag heute keiner zu sagen.
Emma hat ihren Mann verloren. Sie will wachrütteln was der Bürgerkrieg ausgelöst hat und was er noch auslösen kann.

Und genau das will diese Geschichte auch. Sie ist nicht soft, nein, schonungslos schildert sie Auswüchse, die auf durchaus aus Parolen wie „Wir sind das Volk“ und den Aktionen der Urheber solcher Sprüche, entstehen können.

Der Autorin ist es gelungen Realität und Fiktion eins werden zu lassen.
Nicht mit dem erhobenen Zeigefinger schreibt sie, aber durchaus so realitätsnah, dass es einem grauen kann.

Emma bietet in der Geschichte auch Lösungsansätze für das Problem der unzufriedenen Flüchtlinge.
Vielleicht sollten manche Verantwortliche die Kurzgeschichte mal lesen.

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Helmut Schmidt und der Scheißkrieg: Die Biografie 1918 bis 1945 Gebundene Ausgabe – von Sabine Pamperrien (Autor)

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Mein Vater war Jahrgang 1918 und viele Verwandte in dieser Zeit geboren. Sie haben diese Zeit, um die es im Buch geht, erlebt. Es wurde bei uns in der Familie auch viel über diese entsetzliche Zeit gesprochen. Daher weiß ich sehr genau, dass die Menschen in der Zeit nicht alles, was sie machten, freiwillig taten. Oft wurden auch Erlebnisse verdrängt, damit man sein Leben noch weiterführen konnte.
Mit diesem Hintergrund habe ich die unten stehende Rezension geschrieben.

Die Autorin Sabine Pamperrien hat Rechtswissenschaft, Literaturwissenschaft und Geschichte studiert und arbeitet als Journalistin.

Sie ist wissenschaftliches Arbeiten gewöhnt und das Buch ist voll von Quellenangaben. Dies ist zwar lobenswert, man kann immer schauen woher sie ihre Kenntnisse hat, aber es stört auch den Lesefluss.

Die Autorin schildert das Leben Helmut Schmidts von 1918-1945.

Im Vorwort steht über Helmut Schmidt „Bei den Erinnerungen an sein eigenes Leben verlässt ihn jedoch sein phänomenales Gedächtnis.“
Ich frage mich da schon, ob ein Mensch in dem Alter nicht mal Jahreszahlen, und um die geht es im weiteren Text u.A., durcheinander bringen darf.
Überhaupt empfinde ich das Vorwort so, dass die Autorin gleich mit einer negativen Einstellungen gegenüber Helmut Schmidt dieses Buch geschrieben hat.

Nachdem ich das Buch komplett gelesen habe empfinde ich dies um so stärker.

Auch finde ich diese These im Vorwort befremdlich „Die soldatische Sozialisation ist bis heute Dreh- und Angelpunkt von Schmidts Wertesystem. Die „Tragödie des Pflichtbewusstseins“ besteht im Missbrauch des Patriotismus und Pflichtbewusstseins seiner Generation durch den Nationalsozialismus.“
Mein Vater war auch Jahrgang 1918 und ich verwehre mich dagegegen, dass die Autorin hier eine ganze Generation in eine bestimmte Ecke drängt. Dies stimmt auch so nicht, ich kenne und kannte genügend Altersgenossen.

Im Buch erfolgt eine Darlegung der Jahre 1918-1945 im Leben des Helmut Schmidt, so lässt der Titel vermuten. In Wahrheit beginnt es aber eher, nämlich schon vor der Geburt. Die Autorin beleuchtet schon die Herkunft. Es geht um den Vater, der unehelich geboren wurde, usw.
Aus diesen Tatsachen zieht die Autorin Schlüsse.
Zulässig?
Weiter geht es dann mit Helmut Schmidts Geburt, Schulzeit, es werden Dinge aufgezeigt, die die Autorin anders recherchiert hat, als sie in Helmut Schmidts Erinnnerungen oder Biographien vorhanden sind.

Einen grossen Teil nimmt die Zeit Schmidts in der Hitlerjugend ein.
Hier wird er von der Autorin in die Ecke der Nationalsolizialisten geschoben.
Immer alles durch Quellen belegt.
Ich frage mich nur, ob man wirklich behaupten kann, dass dies alles bewusst passiert ist oder ob es nicht eher so war, dass man ja in der Zeit keine andere Chance hatte. Und sicher, wie ich aus Gesprächen in meiner Familie weiß, auch viele Menschen dies verdrängt haben.

Es geht weiter mit den Kriegsjahren, Schmidts Großvater, der Jude war usw.

Die Autorin schildert Fälle wie den der Erna Stahl, ehemalige Lehrerin der Schmidts, die mit der „Weißen Rose“ in Zusammenhang gebracht wurde und ein Hilfegesuch an Helmut Schmidt in seiner Eigenschaft als Offizier. Helmut Schmidt teilte hierzu mit, er habe das Schreiben als Falle angesehen, die Autorin sieht das anders.

Unbestreibar hat die Autorin ein gut recherchiertes Buch vorgelegt. Die Quellenangaben sind entsprechend umfangreich von Seite 297-337. Zumindest gut recherchiert in der Richtung, dass sie die Quellen konkret benennt und ich unterstelle dies mal, auch gelesen hat.
Das Buch ist aber für mein Empfinden recht tendenziös gegen Helmut Schmidt geschrieben.
Die Fakten sind klar, was die Autorin daraus macht, finde ich teilweise fragwürdig.

Mein Fazit: Für dieses Buch wurde viel recherchiert, man erfährt viel über die frühen Jahre des Helmut Schmidt. Die Schlüsse, die die Autorin aus ihren Recherchen zieht, sind oft nicht nachvollziehbar. Ich hätte es begrüsst, wenn die Autorin alles sachlich geschildert hätte, ohne Schmidt zu verunglimpfen. Man kann als Leser, so wie ich es gemacht habe, viele Informationsquellen aus dem Buch beziehen und muss dann für sich entscheiden, ob man den Auslegungen der Autorin folgt oder seine eigenen Schlüsse zieht.

Helmut Schmidt und der Scheißkrieg
Sabine Pamperrien
Die Biografie 1918 bis 1945
Erschienen am 08.12.2014
352 Seiten, Gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-492-05677-9

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